Mit der Schließung der jüdischen Bäckerei „Babka & Krantz“ verlieren Berlin und unser Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht nur einen Handwerksbetrieb, sondern einen Ort jüdischen Lebens, jüdischer Kultur und gelebter jüdischer Präsenz. Nach Berichten der Betroffenen spielten neben wirtschaftlichen Herausforderungen auch wiederkehrende antisemitische Anfeindungen eine Rolle bei der Entscheidung zur Schließung. Als Bündnis gegen Antisemitismus Tempelhof-Schöneberg möchten wir diese Entwicklung nicht kommentarlos hinnehmen.
Besonders schmerzhaft ist dieser Verlust auch, weil es sich um den einzigen jüdischen Meisterbetrieb Berlins handelte. Dabei war das „Babka & Krantz“ weit mehr als eine Bäckerei. Es war ein Ort der Begegnung. Hier wurden jüdische Traditionen lebendig, hier kamen Menschen miteinander ins Gespräch, hier konnte man jüdische Kultur im Alltag unmittelbar erleben.
In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist, sind solche Orte von unschätzbarem Wert. Ihr Verlust betrifft deshalb nicht nur die jüdische Gemeinschaft, sondern unseren gesamten Bezirk. Die Schließung einer jüdischen Einrichtung ist niemals nur eine private Entscheidung ihrer Betreiber:innen. Sie wirft auch die Frage auf, ob sich Jüdinnen:Juden in unserer Stadt und in unserem Bezirk sicher, willkommen und anerkannt fühlen können.
Antisemitismus beginnt nicht erst mit körperlicher Gewalt. Er beginnt mit Beschimpfungen, Einschüchterungen, Ausgrenzung und dem Gefühl, im öffentlichen Raum nicht mehr selbstverständlich dazugehören zu dürfen. Wenn jüdische Menschen oder jüdische Einrichtungen aufgrund solcher Erfahrungen aufgeben, verlieren wir alle etwas: Vielfalt, Begegnung, Vertrauen und ein Stück unserer demokratischen Kultur.
Deshalb darf die Verteidigung jüdischen Lebens keine Aufgabe allein der Betroffenen sein. Sie ist eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft.
Für uns als Bündnis gegen Antisemitismus ist klar: Das Verschwinden jüdischer Kultur aus unserem Alltag werden wir nicht gleichgültig hinnehmen. Jüdisches Leben gehört zur Geschichte, zur Gegenwart und vor allem auch zur Zukunft unseres Bezirks und unserer Stadt.
Wir verstehen es als unsere Aufgabe, jüdisches Leben in unserem Bezirk zu stärken und dort zu handeln, wo es bedroht wird. Wir möchten deshalb alle Menschen ermutigen, antisemitische Vorfälle, Bedrohungen oder Angriffe nicht zu ignorieren, sondern Haltung zu zeigen und zu intervenieren.
Als Bündnis gegen Antisemitismus setzen wir uns dafür ein, jüdisches Leben zu schützen, zu fördern und ihm den öffentlichen Platz zu geben, der ihm in unserer Gesellschaft zusteht. Denn ein Bezirk, in dem jüdisches Leben selbstverständlich seinen Platz hat und sich frei entfalten kann, ist ein stärkerer, freierer und demokratischerer Bezirk für uns alle.
Bündnis gegen Antisemitismus Tempelhof-Schöneberg
Juni 2026